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Dr. Dr. Joachim Kahl, Foto: © Evelin Frerk

Dr. Dr. Joachim Kahl, Foto: © Evelin Frerk

15. 02.

Baruch Spinoza – Philosoph von Weltrang und Schlüsselfigur der europäischen Aufklärung

Vortrag in Marburg

Im 18. Jahrhundert begann, namentlich in Deutschland, eine positive Spinoza-Rezeption, an der Lichtenberg, Lessing, Herder, Goethe, Hegel, Heine, Feuerbach mitwirkten. Im zwanzigsten Jahrhundert war es vor allem Albert Einstein, der mit seiner Idee einer kosmischen Religiosität an Spinoza (1632 -1677) anknüpfte.

Nach seinem Ausschluss aus der Amsterdamer portugiesischen Synagogengemeinde mit dem großen Bannfluch (Cherem) im Alter von 24 Jahren wegen „schrecklicher Ketzereien“ und „ungeheuerlicher Handlungen“ schloss sich Spinoza keiner anderen Religionsgemeinschaft an und teilte keinen monotheistischen Offenbarungsglauben mehr. Und doch verfiel er nicht, wie es der gängigen Ketzer- und Apostatenpolemik zufolge hätte geschehen müssen, der Unzucht. Er wurde kein Trunkenbold, kein Betrüger. Seine noble menschliche Art und sein redlicher Broterwerb als Schleifer optischer Gläser erweckten allgemein Erstaunen und Argwohn. Seine bürgerliche Existenz war nicht ernsthaft gefährdet, weil in den Niederlanden Gewissens- und Glaubensfreiheit relativ fest verankert waren.

Seine philosophische These „Gott oder die Natur“ (deus sive natura) entthronte den außerweltlichen Himmelsmonarchen und Schöpfergott. Spinoza begründete eine Natur- und Vernunftreligion, die freilich von Anfang an unter allseitigem Atheismusverdacht stand, da sie auf jeden Transzendenzaspekt verzichtete. An die Stelle des Glaubens trat bei ihm die „geistige Gottesliebe“ (amor dei intellectualis), die Gott in den Dingen aufsuchte und damit die gesamte Wirklichkeit einer empirischen und rationalen Erforschung freigab.