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07. 10.

Martin Luthers Skandalbuch: "Von den Juden und ihren Lügen"

Vortrag, Ausstellung und Diskussion in Heidelberg

Seit 2008 feiert die Evangelische Kirche Deutschlands die "Lutherdekade" und wird nicht müde, das Konterfei des Reformators bei jeder Gelegenheit zu präsentieren. Dabei hat sie allerdings ein erhebliches Problem: Der Reformator war der wirkmächtigste Judenhasser bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.

Unter seinen judenfeindlichen Hetzschriften sticht sein Buch "Von den Juden und ihren Lügen" von 1543 in makabrer Weise hervor. Darin entwickelte er sein berüchtigtes Sieben-Punkte-Programm zur Beseitigung des Judentums in Deutschland, das knapp 400 Jahre später von den Nationalsozialisten bereitwillig kopiert und ergänzt wurde:

Verbrennen ihrer Synagogen
Zerstörung ihrer Häuser und Zwangsunterbringung wie Zigeuner
Wegnahme ihrer religiösen Bücher
Lehrverbot für Rabbiner bei Androhung der Todesstrafe
Aufhebung der Wegefreiheit
Zwangsenteignung
Zwangsarbeit

Hatte der Philosoph Karl Jaspers also Recht, als er bemerkte: "Was Hitler getan, hat Luther geraten, mit Ausnahme der direkten Tötung durch Gaskammern"? Das "Meisterwerk" des Reformators macht in bedrückender Weise deutlich, dass religiöse und nichtreligiöse Elemente seines Judenhasses nicht voneinander zu trennen sind.

Die gbs-Regionalgruppe Rhein-Neckar lädt ein zu einem Vortrag von Karl-Heinz Büchner, Bernd P. Kammermeier, Reinhold Schlotz und Robert Zwilling, die ihre Neuausgabe dieses Skandalbuches (erstmals in heutigem Deutsch) vorstellen. Dabei gehen sie auch auf die fatale Rolle des gefeierten Reformators bei der Verbreitung der Judenfeindschaft in Europa ein und zeigen seine furchtbare Wirkung bis in die jüngste Vergangenheit des Dritten Reiches.

Die vier Herausgeber weisen nach, dass Luthers Antisemitismus – in Theologenkreisen euphemistisch „Antijudaismus“ genannt – keineswegs rein theologisch begründet ist, sondern – untrennbar miteinander verwoben – auch rassistische Merkmale aufweist. Das scheint besonders bedenklich angesichts der Feierlichkeiten um den Reformator im nächsten Jahr, dem Höhepunkt der "Lutherdekade", die mit 150 Mio. € (225 Mio. € in Summe) – größtenteils aus dem allgemeinen Steueraufkommen – zelebriert wird.

Im Anschluss an den Vortrag werden die Herausgeber mit dem Publikum diskutieren.

Hinweis: Ab 18:00 Uhr wird (begleitend zum Vortrag) die Wanderausstellung "Von Golgatha nach Auschwitz" gezeigt, die auf 18 Plakaten die Geschichte der christlichen Judenfeindschaft eindrücklich dokumentiert.