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Alexander Wolber

Alexander Wolber

30. 01.

Alles Schwurbler oder einfach psychisch gestört?

Eine differenzierte Betrachtung pseudowissenschaftlicher Überzeugungen

Warum glauben manche Menschen absurde Dinge – und warum halten sie oft so hartnäckig daran fest? Die Gründe dafür sind vielfältig: Persönlichkeitsmerkmale, soziokulturelle Einflüsse, kognitive Verzerrungen, spirituelle und religiöse Bedürfnisse, Bildungswege, das Leben in unsicheren Zeiten und vieles mehr.

Der Vortrag nähert sich dieser Frage aus einer klinisch-psychologischen Perspektive und richtet den Blick insbesondere auf das Verhältnis zwischen psychischen Störungen und Verschwörungsdenken. Anhand ausgewählter Störungsbilder aus dem psychotischen Formenkreis werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Urteilsbildung – etwa vorschnelle Schlussfolgerungen („jumping to conclusions“) – sowie in der neuronalen Verarbeitung pseudowissenschaftlicher Inhalte im Vergleich zu psychisch gesunden Personen diskutiert. Dabei wird deutlich, dass es überraschende Parallelen zwischen psychischen Störungen und pseudowissenschaftlichen Überzeugungen gibt.

Zugleich geht der Vortrag der Frage nach, wie pseudowissenschaftliches Denken überhaupt entsteht – und warum reine Faktenvermittlung oft an ihre Grenzen stößt. Die vorgestellten Differenzierungen sollen dazu beitragen, den Blick zu schärfen für eine zentrale, aber unbequeme Einsicht: Manche Menschen haben weniger Kontrolle über ihre Überzeugungen, als wir gemeinhin annehmen.

Abschließend werden Konsequenzen für die aufklärerische Praxis und den Umgang mit pseudowissenschaftlich denkenden Menschen diskutiert – und es wird gezeigt, warum Empathie in manchen Fällen wirksamer sein kann als gut gemeinter Faktenspam.

Alexander Wolber ist Psychologe (M.Sc.) und seit 2018 Psychologischer Psychotherapeut in Ausbildung, mit Schwerpunkt kognitive Verhaltenstherapie. Seit 2020 ist er Doktorand am Lehrstuhl für klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Konstanz, wo er zum Thema „Dynamische Veränderungen der Risikowahrnehmung bei Schizophrenie“ forscht. Im Bachelor-Studiengang Psychologie der Universität Konstanz hielt er Lehrveranstaltungen zu den Themen: „Persönlichkeitsstörungen“ und „Berufsethik und Berufsrecht“. Seit 2022 ist er erster Vorsitzender der evolutionär-humanistischen GBS-Bodensee e.V. und seit 2025 Leiter des Humanistischen Bildungs- und Begegnungszentrums in Konstanz (hbbk). Alexander Wolber ist zudem freier Autor beim Humanistischen Pressedienst (hpd).